Februar18

Ich habe mich ja bereits daran gewöhnt dass ich nichts, aber auch rein gar nichts weiss, unglaublich blöd bin und peinlich sowieso. Und ich weiss auch, dass ich damit nicht ganz alleine auf der untersten Stufe der Teenie-Welt stehe.
Aber das ist kein Trost, deshalb habe ich mir vorgenommen, mich zu bessern. Und wer hat behauptet, man könne als Hans nicht doch noch vom Hänschen etwas lernen? Eben! Wer rastet, der rostet und wer nicht will, der hat eben nichts.
Dass der Lauch nicht bockt, weil ein Lauch ein Lauch ist und somit seine Bockigkeit gar nicht vorhanden ist und er deshalb überhaupt nicht bocken kann, weiss ich mittlerweile. Dass ein Bibel jemand ist, der absolut nicht geht, weiss ich jetzt auch und dass sich die „Hood-Boys“ aus der Sprottenklasse trotz des kühlen Namens ein Barthaar miteinander teilen müssen und deshalb von den viel kühleren Mädchen in die total doofen „Bibel-Boys“ unbenannt wurden, kann ich ebenfalls nachvollziehen. Im Grunde bin ich total informiert und kann jetzt damit auch an die Öffentlichkeit, damit mein Kind sich nicht mehr für seine spiessige Mutter schämen muss.
Ich habe also die letzten Tage damit verbracht, vor dem Spiegel ein voll gelangweilt-arrogantes NichtdieMama-Gesicht zu üben und ausprobiert, in welcher Körperhöhe das Stierhörnerzeichen am kühlsten dazu aussieht. Am allerbesten ist es, wenn man die linke Hand mit den Hörner ganz leicht nach unten in Richtung Schritt hält, während die rechte Hörnerhand neckisch nach oben zum Kinn zeigt, das dann etwas schräg nach rechts oben zeigen muss. Ja doch, das sah schon ganz gut aus. Aber irgendwie so ein bisschen starr und langweilig. Also habe ich mir noch einen neckischen Ausfallschritt einfallen lassen, um diese Pose etwas aufzulockern: ein bisschen in die Knie gehen, die Hüfte locker nach links schnalzen lassen und dann mit den Füssen ganz scharf links-rechts-links.
Ich bin sehr zufrieden und nehme mir vor, mein neues Nichtdiemamaabervolldiecheckerin-Image so schnell wie möglich auszuprobieren. Gelegenheit habe ich dazu sofort am nächsten Tag, das Teeniekind bringt eine Teeniefreundin mit. Bevor die beiden im Teeniezimmer verschwinden, werde ich noch beauftragt, Getränke zu servieren. Das ist meine Chance!
Ich stelle die beiden Gläser Apfelschorle (Cola trinken nur lauchende Bibels oder bibelnde Lauche) auf den Schreibtisch und bringe mich in Position:
„Na, wie röhren die Möhren?“
Stierhörnerzeichen, schnalzende Hüfte, Kniebeuge, links-rechts-links
„Was?“
„Wie die Möhren röhren, habe ich gefragt!“
Stierhörnerzeichen, schnalzende Hüfte, Kniebeuge, links-rechts-links
„Was soll das denn heissen?“, zwei Teenieaugen glotzen mich entgeistert an.
„Na, wie röhren die Möhren, was bekakeln die Pastinaken, wen pantoffeln die Kartoffeln? Was geht?“
Stierhörnerzeichen, schnalzende Hüfte, Kniebeuge, links-rechts-links
„Spinnst du jetzt komplett?“
„Mann, seid ihr doof“, ich verdrehe total genervt die Augen (ich weiss ja, wie das geht), „das weiss doch jeder, was das heisst! Chicorée ist okeh! Weisstbescheid? Was geht, ey!“
Stierhörnerzeichen, schnalzende Hüfte, Kniebeuge, links-rechts-links
„Mama, kannst du jetzt bitte damit aufhören und rausgehen, das ist total peinlich!“
Jaja, schon klar. Von wegen peinlich, haha, die verstehen gar keine Teeniesprache, die tun immer nur so, um mich zu verunsichern. Ich habe sie erwischt! Aber so etwas von eiskalt, weisstbescheid! Dieses junge Gemüse macht mir nichts mehr vor!
Ich lächle wissend, bewege mich im kühlen Moonwalk-Style rückwärts auf die Kinderzimmertür zu, gebe beiden den Weisstbescheidblick, mache noch einmal das Stierhornzeichen, schnalze mit der Hüfte, gehe leicht in die Knie und verlasse mit einem scharfen links-rechts-links den Ort der Schmach.
Als voll die Siegerin! Ha! Weisstbescheid.